Euromapeisterschaften 2011

 

Marinepool J22 Europameisterschaft 2011 in Travemünde

FOTOS  (yachting-photos.com)

 


Es begann wie so vieles mit einem Anruf: „Martin, ich hab’ jetzt eine J22“. Es ist Christian Drews, Student aus Kiel und Neu-Eigner einer gebrauchten J22 aus Holland. Erinnerungen an meine J22 „Sim“ werden wach. Um vor der Haustür Klassenregatten segeln zu können, stiegen wir zwar vor 5 Jahren in die J80 Klasse um (J-typisch segelt auch dieses Boot richtig gut) aber mein Lieblingsboot war und bleibt die J22. Sie segelt m.E. einfach traumhaft.


Christians Frage, ob wir denn mal eine Regatta zusammen segeln wollen, war so schnell beantwortet. Aber wo und vor allem wann? Denkt er an eine Yardstickregatta? Was? Die J22 EM zur Travemünder Woche? Hmm, da waren wir zuletzt zu den German Masters 2006. Tolles Revier, schöne Veranstaltung, die Passat. Aber 2011? Der Regattakalender ist extrem voll: Unter anderem segeln wir binnen 3 Wochen Kieler Woche und WM mit der J80. Da bleibt keine Zeit zum Training mit der J22. Egal, die Lust auf ein Travemünder Sommervergnügen ist groß. So geht es auch meinem Freund und J80-Trimmer Frank Lichte: Endlich mal wieder Spinnaker fahren. Das mit dem Gennaker ist ja schön und gut, aber der Rüssel lässt sich nun mal nicht nach Luv trimmen. Okay, wir fahren!


Freitag: Die Anfahrt wird immer langsamer. Rote Ampeln sind uns willkommen. 13° kalter Dauerregen plus die Wettervorhersagen der nächsten Tage wirkt demotivierend. Sei’s drum: Wir sind da. Check-In im Regattabüro, Vermessung, Kranen, Boot zum Boot bringen (Christians Vater hat uns großzügig seine X als FeWo in den Passathafen gelegt) und ab zum ersten Beschnuppern ins kleine Zelt neben den Liegeplätzen. Wir lernen sehr sympathische, ausnahmslos nette Leute kennen. Die Frage nach dem richtigen Boot hat sich für Christian spätestens hier beantwortet. Das einzige was ihm künftig noch fehlt, ist ein Bulli mit Bauernhaken, damit er nach Holland zu den vielen hübschen Seglerinnen fahren kann…


Samstag: der erste Regattatag beginnt mit einer Startverschiebung. Die Wettfahrtleitung der TW will bei Böen über 30kn keine Klasse auf die Bahnen schicken. Im 2h- Takt wird verschoben. Um 14:00 ist der erste Regattatag dann endgültig Opfer von Tief Otto, der es sich über (oder auf?) Sylt bequem gemacht hat. Um 19:30 wird es dann doch noch heller: In einer Bootshalle am Passathafen steigt eine sehr gelungene Dimension Polyant J22 Party mit lecker Essen, Musik und Tanz.

















Sonntag: Otto hat auf Sylt verlängert. Das bedeutet zunächst wieder Startverschiebung. Der sehr sympathische Wettfahrtleiter Svend Hartog hofft allerdings, dass wir vielleicht am Nachmittag segeln. Gegen 11:45 geht es dann ganz schnell: Die J22 startet als einzige Klasse ab 12:55 in der Lübecker Bucht. Gesegelt wird auf einer Bahn in Landnähe unweit der Travemündung. Schnell aufs Boot und raus. Draußen erwarten uns erstaunlich gute Segelbedingungen: Böiger Wind um die 20kn und in Landabdeckung relativ wenig Welle. Nach 3 Wettfahrten mit einigen Abflügen gibt es am Abend dann endlich eine erste Wertung: Wie erwartet sind die niederländischen Crews vorne. Die WM 4. von 2010 um Ronald Veraar liegen nach den Plätzen 1-2-1 deutlich in Führung. Aber immerhin schaffen es 3 deutsche Crews unter die Top10. Wir sind nach unnötigem Neustart in Wettfahrt 1 (der Einzelrückruf galt doch nicht uns) und einem Strafkringel in Wettfahrt 3 (wann hätten wir schnelle Halsen üben sollen) über Platz 6 positiv überrascht.


Montag: Die Nachricht des Morgens: Otto beendet Urlaub auf Sylt, vor Travemünde kehrt langsam der Sommer zurück und endlich kann auf allen Bahnen gesegelt werden. Also raus auf Bahn India und einsegeln bei Wind um 10kn. Kurz vorm Start kommt dann noch einmal eine letzte Regenwolke mit etwas mehr Druck. Wanten noch mal schnell korrigieren, starten und… im leichten Wind mit strammen Wanten ins Ziel segeln. Das gelingt immerhin noch auf Platz 6. und bringt folgende Erkenntnisse: 1. die niederländischen Favoriten segeln souverän aber nicht fehlerlos, 2. wir beginnen langsam uns wieder an eine J22 zu gewöhnen, 3. unser Trimm scheint bei diesen Bedingungen offensichtlich schnell, und 4. wir haben den Mix aus Drehern und Strömung auf der Bahn einigermaßen verstanden. Entsprechend selbstbewusst segeln wir so in den folgenden 3 Wettfahrten jeweils auf Platz 2. Zurück im Hafen erreicht uns per Telefon die überraschende Nachricht aus dem Pressebüro: Wir liegen aktuell auf Platz 3. Na der Abend wird schön: Endlich lacht die Sonne und die J22 Klasse ist auch noch auf die Passat geladen. Zur Optimierung der ohnehin traumhaften Kulisse, kommen noch 70 Folkeboote von Ihrer Bahn wahrhaftig in Griffweite an der Passat vorbei. Einmal mehr ein unvergesslicher Abend!
















Dienstag: Otto ist inzwischen Geschichte, aber der Wind muss jetzt erst über Land produziert werden. Das schafft die Sonne aber nicht bis zum Mittag. Da die letzte Startbereitschaft auf 13:55 terminiert ist, beendet die Wettfahrtleitung um 12:00 das lange Warten und wir können gemütlich zum Kranen. Um 16:30 dann ein finaler, stimmungsvoller Abschluss: Siegerehrung mit Tombola! Eine gute und erfolgreiche Idee der dt. J22KV um möglichst viele Teilnehmer (mit extra gechartertem Bus) vom Kranplatz zum Regattazentrum zu bringen. Die Top 8 werden außerdem von der Regattaorganisation mit reichlich Marzipan geehrt. Souveräne Sieger der Marinepool J22 Europameisterschaft werden die bereits nach dem ersten Tag führende NED 1450 mit  Ronald Veraar, Robert Janssen und Joont Bouwer. Platz 2 geht an NED 1591 mit Wouter Kollmann, Josst Bupkes und Gilbert Figaroa. Zur großen Überraschung und Freude dürfen wir das sonst meist rein niederländische J22 Podium erstmals auch mit deutschen Farben ergänzen. Hoffnung dass dies kein Einzelfall bleibt, machen u.a. auch die sehr guten Platzierungen von GER 1513 mit der Crew um Reinhold Groß auf Platz 10, und von GER 1401 mit der Crew um Frank Lammerskitten auf Platz 12.


Fazit: Trotz Tief Otto waren die Marinepool J22 Europameisterschaften in Travemünde eine hervorragende und rundum gelungene Veranstaltung. Allen an der Organisation und Durchführung beteiligten Personen, den Sponsoren Marinepool und Dimension Polyant, und ganz besonders  der deutschen J22 KV an dieser Stelle noch einmal ein ganz großes Kompliment und Dankeschön! Macht bitte weiter so. Die J22 Klasse hat sich in Travemünde so positiv präsentiert und in Szene gesetzt, dass sogar der Wettfahrtleiter zum Abschluss der EM laut über den Kauf einer J22 nachdenkt. Wünschen wir ihm und vielen anderen, dass sie ihre Segelzeit künftig so erleben dürfen wie wir!


Viele Grüsse

Martin Menzner GER1327





 

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